Donnerstag, 23. Februar 2017

Abschied

Es ist Zeit zu gehen, dich und mich aus dieser Situation zu entlassen.
Ich habe versucht zu erklären, dir begreiflich zu machen, aber ohne Erfolg.
Es ist, als ob meine Worte an dir abprallen, nicht zu dir durchdringen.
Wie lange habe ich gehofft, dich zu erreichen, dich endlich zu erreichen.
Doch so wenig wie du die meine Welt als deine anerkennen kannst,
so wenig kann ich die deine als meine anerkennen. Wahrscheinlich
denkst du umgekehrt das gleiche. Wahrscheinlich fühlst du dich auch
nicht verstanden.

Was bleibt ist der Abschied, das Loslassen, das Ziehenlassen, das Aufgeben.
Du gehst deinen Weg und ich den meinen. Sie verlaufen in komplett unterschiedliche
Richtungen und das dürfen sie auch.

Treffen wir uns wieder? Ich weiß es nicht.

Mutter und Tochter sein heißt nicht, immer Seite an Seite zu gehen.
Mutter und Tochter sein wird irgendwann zu zwei Erwachsene sein.
Zwei Wesen, die ihren ganz eigenen Weg gehen, sicherlich irgendwie
verbunden sind, aber nicht aufeinander angewiesen, nicht abhängig.

Mein inneres Kind es schreit. Mal wieder... Das tut es manchmal. Immer
dann, wenn wieder etwas geheilt werden will. Es ist jetzt an mir, es
in den Arm zu nehmen. Das ist nicht mehr deine Aufgabe.

Ich wünsche mir, du würdest dein inneres Kind mal in den Arm nehmen
und erkennen, dass nicht die anderen an deinem Leben schuld sind.
Aber das ist anmaßend.

Es steht mir nicht zu, zu urteilen, was für dich richtig und wichtig ist. Ich
weiß nicht, welche Erfahrungen deine Seele hier machen will. Daher kann
und darf ich nicht urteilen. Du darfst bleiben wie du bist. Das ist dein gutes
Recht. Es bedeutet aber für mich, dass ich gehen muss, vor allem innerlich,
zurück zu mir.

Das Korsett ist zu eng, dein Fordern zu anstrengend, dein Schrei nach Liebe zu laut.
Du willst Dinge, für die ich nicht zuständig bin.

Ich bin wieder versucht, es dir zu erklären, dir zu sagen, warum ich nicht gerne
bei dir bin und gleichzeitig weiß ich, dass es wieder nichts bringen wird, selbst
wenn ich noch so laut schreien würde. Schreien, wie ich es schon so oft getan habe,
weil ich mir nicht mehr anders zu helfen wusste.

Du bist unerreichbar für mich. Das zu akzeptieren ist hart.

Und ja, da ist gerade wieder diese Wut. Überschäumend, verzweifelt, schmerzhaft,
die ich als Kind so oft hatte.
Verloren... Ich war so oft verloren, hätte dich gebraucht. Aber du warst nicht da.
Vielmehr hast du mich gebraucht, warst selbst emotional unterernährt, hast dich
an mir gelabt, mich ausgesaugt.

Mein inneres Kind, es schreit... nach jemandem, der es endlich sieht, wahrnimmt,
ernst nimmt, versorgt. Nach jemandem, den es erreichen kann.
Das bin nun ich, werde es immer sein.


Foto: Anja Reiche

Freitag, 17. Februar 2017

Was ist eigentlich wirklich gesunde Ernährung?

Gesunde Ernährung heißt für mich vor allem bewusste Ernährung, intuitives Essen und Genuss. Es gibt so viele Theorien darüber, was gesund ist und was nicht. Einige sprechen klar für Fleisch die anderen dagegen. Dann gibt es die Theorie, dass tierische Produkte generell ungesund sind und nur Pflanzliches gut ist. Andere sagen, dass auch Getreide nicht gut für unseren Körper ist, obwohl das ja klar zur pflanzlichen Ernährung zählen würde. Es gibt basische Ernährungsmodelle, Vollwertkost, Low-Carb und was weiß ich noch nicht alles. Alle basieren darauf, dass dies oder jenes gut für uns ist und anderes dagegen nicht.

Bei all dem Wirrwarr muss klar sein, dass ein jeder von uns ein Individuum ist. Was für den einen richtig ist und damit auch gesund, muss für den anderen noch lange nicht passen. Nicht für jeden ist basisch gut, nicht für jeden ein Fleischverzicht. Es gibt in allen Sparten von Ernährungsstilen kranke und gesunde Menschen. Es gibt nicht DAS Richtige für alle. 

Die Medien sind voll davon. Iss jeden Tag 5 Bananen und mit deinem Körper wird ein Wunder geschehen. Iss jeden Tag 2 Avocados und du wirst nie wieder das und das haben. Iss nie wieder Zucker und du bist frei von dem und dem. Das alles hat mit Individualität nichts zu tun und mit Genuss schon gar nichts. Das Essen wird zum Instrument für gewünschte körperliche Ergebnisse.
Dazu kommt, dass Ernährung EIN Baustein von vielen ist. Ich glaube und fühle, dass keine Krankheit ausschließlich von falscher Ernährung kommt. Dazu ist das Wesen Mensch viel zu komplex. Die Psyche mit all ihren Schichten spielt ebenso eine Rolle bei Krankheiten und körperlichen Symptomen, genauso wie unser gesamtes Energiesystem.

Ich habe mich schon vor längerem einmal mit einer Französin unterhalten, die seit einigen Jahren in Deutschland wohnt. Sie wunderte sich sehr, dass es trotz der vorwiegend gesunden Ernährung der Deutschen, die so akribisch auf alles Mögliche achten, Diäten machen und Kalorien zählen, so viele Übergewichtige und Kranke gibt. Die Franzosen dagegen, denen ihr Baguette aus Weißmehl, das fettige Croissant ebenfalls aus Weißmehl, Olivenöl, Kaffee und vieles mehr, was hierzulande als ungesund gilt, heilig ist, sind dagegen eher schlanker und gesünder. So ihre Beobachtungen und Einschätzungen. Sie bemerkte einen ganz wesentlichen Unterschied. Der Franzose genießt nach ihrer Auffassung das alles. Er zelebriert das morgendliche Croissant mit Kaffee als Frühstück regelrecht. Es ist Teil einer Kultur und Lebensphilosophie. Sicherlich gibt es auch hier Ausnahmen und ich möchte das nicht auf alle Deutschen und alle Franzosen gleichermaßen ausweiten. Aber ein wesentlicher Unterschied in der allgemeinen Esskultur scheint wohl dennoch zu bestehen. 

Ich glaube das Genuss und Liebe zum Essen ganz enorme Faktoren sind. Ich glaube, dass alles, was wir mit Hingabe und Liebe verzehren, uns einfach nur guttun kann, dass wir damit auch die Qualität der Speisen erhöhen, einfach in dem wir es uns schmecken lassen, ganz beim Essen sind, ganz bei uns sind und mit jeder Faser unseres Körpers das genießen, nach was uns gerade ist.

Pflanzen haben Bewusstsein. Das hat Cleve Backster in seinen Versuchen ganz hervorragend deutlich gemacht. Sie reagieren auf ihre Umwelt, können die Gedanken und Absichten von Menschen erkennen und reagieren sofort.[1] Dass sich Liebe und Aufmerksamkeit also positiv auf Pflanzen auswirkt, ihr Wachstum und auch ihren Ertrag, ist also bewiesen. Pflanzen haben ein Bewusstsein, Nahrung hat ein Bewusstsein, alles hat ein Bewusstsein.  Für mich ist es daher auch wahr, dass sich diese Zuwendung auch auf den Nährstoffgehalt auswirkt und die Bekömmlichkeit für den Körper. Meiner Ansicht nach wirkt diese Aufmerksamkeit und Liebe auch noch nach der Ernte. Nämlich wenn wir entsprechend mit Liebe und Zuwendung kochen und auch essen. Eine Mahlzeit, die mit Liebe gekocht wurde, schmeckt einfach anders, als das gleiche Gericht, das in Massenproduktion lieblos zubereitet wurde, auch wenn es genau die gleichen Zutaten enthält. 

Durch meine Krankheit habe ich gelernt extrem auf meinen Körper zu hören. Ich bemerkte, dass mir manche Nahrungsmittel einfach nicht mehr gutgetan haben und andere dagegen sehr. Früher habe ich gerne Wein und Bier getrunken, auch mal einen Schnaps. Das ging quasi von heute auf morgen nicht mehr. Ich konnte es nicht mehr haben und hatte eine regelrechte Abneigung. Gerade die Leber und die Galle müssen Überstunden machen, wenn Alkohol zu verdauen ist. Mein Körper hatte in der Zeit mit sich schon genug zu tun und konnte Alkohol nicht auch noch gebrauchen. Das Ganze war aber keine Kopfentscheidung, weil es bei der Erkrankung der Galle eben vernünftig ist, nichts mehr zu trinken, sondern es war eine komplette Bauchentscheidung. Mir war einfach nicht mehr danach und ich ließ es ganz von alleine, musste mich nicht dazu zwingen. 

Auch hatte ich z. B. plötzlich ein großes Verlangen nach Walnüssen. Ich mochte Walnüsse bis dahin nicht wirklich und auf einmal aß ich sie regelmäßig und mit Genuss. Irgendwann las ich dann mal, dass Walnüsse total gut für die Leber sind. Auch hier wieder eine Bauchentscheidung. Seither hat es sich bei mir eingebürgert, dass ich vor jeder Mahlzeit oder besser immer dann, wenn ich Hunger habe, genau reinspüre, nach was mir ist und was meinem Körper jetzt guttut. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlt, das Nahrungsmittel jetzt zu essen. Mein Körper reagiert sofort und sendet mir klare Signale, ob es passt oder nicht. Kaffee habe ich z. B. eine Zeit lang auch nicht vertragen. Ich hatte zwar unheimlich Lust darauf, aber beim Gedanken, einen Kaffee zu trinken, zog sich mir der Magen zusammen. Also habe ich es meistens gelassen. Habe ich mich dann doch mal zu einem Kaffee hinreißen lassen, habe ich tatsächlich Bauchweh bekommen. Mein Körper sagt mir also ganz klar schon vor dem Verzehr, ob es mir bekommt oder nicht. 

Für mich passt die Vollwertkost richtig gut. Vollkornprodukte, möglichst naturbelassene Nahrung, wenig bis keine Zusatzstoffe. Selbst kochen, ohne Fertigprodukte ist mir wichtig. Auf Fleisch verzichte ich weitestgehend. Allerdings gibt es immer wieder Phasen, in denen es mich total an ein Steak zieht oder an Wurst. Wenn gegrillt wird, komme ich daran nicht vorbei. Und dann esse ich das auch, ganz bewusst. Ich genieße es und bedanke mich innerlich bei dem Tier, das dafür sein Leben gelassen hat. 

Ich achte darauf, dass Eier aus Freilandhaltung sind, dass die Milch von Weidekühen kommt. Aber nicht, weil ich glaube, dass das der einzig richtige Weg ist. Sicher gibt es auch ganz viele Gründe, die dafür sprechen, gar keine tierischen Produkte zu essen. Ich tue es, weil es für mich passt und stimmig ist, weil ich z. B. Milchprodukte total mag und immer das Gefühl habe, dass ich damit MEINEM Körper etwas Gutes tue. Und alles, was ich zu mir nehme, soll so natürlich wie möglich sein und zu mir passen, für mich passen, für die Bedürfnisse, die mein Körper gerade hat. Aus Vernunft will ich nicht essen, sondern aus Liebe zu mir und zur Welt. 

Feste Essenszeiten gibt es bei mir auch nicht mehr. Ich bin mit dem Modell groß geworden „aufstehen, sofort frühstücken, warmes Mittagessen zwischen 12 und 13 Uhr, kaltes Abendessen gegen 18 Uhr“. Umso bewusster ich mir meiner Bedürfnisse und meines Rhythmus‘ wurde, umso deutlicher merkte ich, dass das so gar nicht zu mir passt. Eine Zeit lang habe ich mich noch gezwungen, daran festzuhalten, weil man das ja so macht. ;) Aber irgendwann ging es dann gar nicht mehr. 

Heute sieht mein Rhythmus ganz anders aus. Wenn ich aufgestanden bin, gibt es erstmal in aller Ruhe einen Tee, Wasser oder manchmal auch einen Kaffee. Je nachdem, nach was mir gerade ist. Dann werde ich erstmal aktiv, mache dies und jenes und wenn ich dann irgendwann mal Hunger bekomme, was meist erst gegen Mittag ist, dann „frühstücke“ ich genüsslich. Frühstücksbrei mit Früchten, Vollkornbrot mit Käse oder auch mal ein total leckeres Croissant mit Butter. Je nach Belieben und Appetit, immer das, auf was ich am allermeisten Lust habe. Nachmittags gibt es dann einen Snack oder einen Smoothie. Und abends, manchmal auch erst um halb neun, wird dann gekocht und warm gegessen, meistens mit ganz viel Gemüse. Wenn ich mal Chips möchte, dann esse ich welche und zwar mit ganz viel Genuss. Wenn mir nach Kuchen ist, esse ich auch den und richtig – mit ganz viel Genuss! Ich wiege mich nicht, ich zähle keine Kalorien, ich lebe und spüre mich und meine Bedürfnisse.

So passt das für mich am besten. Essen immer dann, wenn ich wirklich Hunger habe und das, was mir mein Körper signalisiert, was mir gerade guttut. Mir nichts verbieten und alles in vollem Bewusstsein genießen.

Ich glaube, das Schlimmste, was wir tun können, ist Dinge mit schlechtem Gewissen zu tun. Schokolade essen und dabei denken, dass man das jetzt eigentlich nicht tun sollte, weil es dick macht oder weil es schlecht für die Zähne ist, ist absoluter Humbug. Entweder ich esse die Schokolade aus Überzeugung und mit vollem Bewusstsein und mit Genuss, oder ich lasse es ganz, weil richtig schmecken tut sie mit dem schlechten Gewissen ja auch nicht. Ich kann sie nicht genießen. Mit schlechtem Gewissen in den Discounter zu gehen, weil man ja eigentlich besser zum Biobauern fahren sollte, ist auch Quatsch. Du tust es ja trotzdem, ich übrigens auch, also tue es mit erhobenem Kopf, weil DU deine Gründe dafür hast oder auch eben nur, weil es bequemer für dich ist. Punkt! Sei einfach du und mach das, was für DICH passt. Niemand anders muss das verstehen oder gutheißen. Jeder darf so sein, wie er ist und das tun, was er für richtig hält. Wenn das jeder jedem und vor allem sich selbst zugesteht, ist die Welt schon um einiges friedlicher. Und man wird ja nun wirklich nicht nur vom Essen dick...

Nehmen wir mal das Argument, man sollte lieber vegan essen, weil es nicht sein kann, dass für meine Nahrung Tiere sterben müssen. Das Ding ist doch, dass ja nicht nur dann Tiere sterben müssen, wenn wir Fleisch essen wollen. Selbst für die Nahrung eines Veganers sterben Tiere. Wer denkt denn an all die Tiere, die im und auf dem Boden leben, auf dem z. B. das Getreide angebaut und geerntet wird? Würmer, Larven, Käfer, Maulwürfe, Mäuse… Davon sterben so viele. Manche behaupten sogar, dass in der Masse für ein einziges Brot mehr Tiere sterben als für ein Steak. Könnte sein, oder?

Ein weiteres Beispiel der zwei Seiten ist, dass im Allgemeinen von Gegnern der Milchprodukte angeführt wird, dass es unnatürlich wäre, die Kuh weiter zu melken, wenn das Kalb keine Milch mehr braucht und diese Milch für den Menschen zu verwenden. In dem Buch „Unterwegs in die nächste Dimension – meine Reise zu Heilern und Schamanen“ von Clemens Kuby erzählt der Autor, dass er ein Volk besucht hat, das so engen und liebevollen Kontakt zur Natur hat, dass wildlebende Rinder freiwillig ins Dorf des Volkes kommen, um sich melken zu lassen. Zwischen Dorfbewohnern und Tieren besteht eine innige geistige Verbindung, die auf gegenseitigem Respekt beruht und so funktioniert das Ganze. Hier ist es also natürlich, dass die Kühe gemolken werden. Kann es dann „schlecht“ sein, diese Milch zu verzehren? 

Es gibt zu allem, immer zwei Seiten, für alles ein Für und Wider. Deswegen mach doch einfach das, was sich für dich am besten anfühlt. Die Welt mit ihren Systemen und Zusammenhängen ist so vielschichtig und komplex, dass wir meist nur einen Bruchteil davon wahrnehmen und in unseren Überlegungen in Betracht ziehen können. Der beste Indikator für das „Richtige“ ist deshalb immer das Bauchgefühl, die Intuition. Sie liegt immer richtig. Für jeden Einzelnen gibt es in jedem Moment genau das Richtige an Nahrung und das, was am besten in sein derzeitiges Energie- und Wertesystem passt.

Ich wünsche dir einen guten Appetit! ;)

Herzensgrüße
Anja

Donnerstag, 16. Februar 2017

Ich erfülle mich selbst

In mir hat sich die letzten wilden Tage wieder so einiges getan und das will sortiert werden. Schreiben hilft ja bekanntlich... ;)

Gerade eben hab ich all die Briefe und Karten samt Fotos, die mir meine Mutter je geschickt hat und in denen es meist darum ging, dass sie mich ja so liebt und dass ich ihr doch die Freude machen und mich melden soll, genommen und habe sie verbrannt. Es ist irgendwie Zeit für einen Schlussstrich, ein noch weiteres Loslösen, eine Befreiung aus ihren Energien, aus allen Verstrickungen mit ihr. Und tatsächlich fühlt es sich heute genau so an. Wie eine Befreiung. Da passiert gerade was in mir, was ich noch nicht greifen kann und deswegen schreibe ich auch, damit ich mich sortieren kann und Klarheit bekomme. Ihr kennt mich ja.

Ich kann ihre Energien kaum noch wahrnehmen. Sie sind ganz weit weggerückt. Sie entfernen sich aus meiner Welt, driften davon in ein anderes Universum. Ihre Umrisse sind nur noch schemenhaft. Sie verlässt mein Energiesystem.

Ich bin gewachsen, noch mehr und nehme meinen Raum noch mehr ein. Ich weiß nicht, ob ich ihn jetzt vollständig einnehme, aber auf jeden Fall wieder noch mehr als vorher. Da ist ganz viel passiert in den letzten Tagen. Da ist noch mehr Kraft, noch mehr Vehemenz, noch mehr Größe, noch mehr ich! Ich erfülle mich so sehr, dass wirklich nichts mehr anderes in meinem Raum Platz hat. Ich nehme mich selbst wieder ein und mein Energiefeld reicht weit über meinen menschlichen Körper hinaus, eine leuchtende, pulsierende Kugel, golden, kraftvoll, mächtig, meine Seele. Gefühlt nehme ich meinen Raum selbst wieder so ausgedehnt ein, dass irgendwelche Fremdenergien keine Chance mehr haben. Mir kann gar keiner mehr zu nahe treten. Ich selbst bilde meinen "Schutzwall" aus goldenem Licht. Ich bin wieder rund. Eine geschlossene Kugel bietet keine Angriffsfläche.

Bin ich nun ganz zurück zu mir gekommen? Ich weiß es nicht und eigentlich ist es auch unwichtig. Denn die Entwicklung geht immer weiter. In dem Moment, in dem ich wieder ganz bei mir angekommen bin, kommt auch schon der nächste Schritt zur nächsthöheren Version meiner Selbst. Das Wachstum wird nie enden. Das ist die schönste und genialste Tatsache, die dieses Leben zu bieten hat und so wie es jetzt gerade ist, ist es gut, wieder ein Stück besser, freier, leichter, runder!


Foto: Anja Reiche

Dienstag, 14. Februar 2017

Wir werden mit Licht geflutet

Ich weiß ja nicht, wie es euch heute geht, aber bei mir geht die Post ab. Die Empfindungen sind so extrem, dass ich manchmal kaum Luft bekomme, das Gefühl habe aus den Latschen zu kippen und ohnmächtig zu werden, weil es körperlich kaum auszuhalten ist, was da in mich einströmt und gleichzeitig aus mir heraus katapultiert wird.

Eben saß ich einfach nur da und habe gefühlt. Es ist eh gerade nichts anderes möglich. Ich wollte wissen, was da los ist. Da war eine unsägliche Wut, gefühlt in meinen Zähnen gespeichert, die so heftig war, dass ich kaum atmen konnte. Mein Gesicht verzog sich, ich fletschte die Zähne und hatte das innere Bild, dass ich jedem die Zähne zeige und jeden anknurre, der mir auch nur im Entferntesten zu nahe kommt, der was von mir will, was ich nicht will. Diese Wut, die über Generationen da war, aber nicht gelebt werden durfte, nicht da sein durfte. Die Wut darüber in eine Form gepresst worden zu sein, in die man gar nicht passt und nicht gehört. Diese Wut hat sich heute Bahn gebrochen, hat sich aus mir gelöst, aus den Zähnen, aus meinem gesamten Körper und ist explosionsartig aus mir heraus geschossen mit einem imaginären Knall. Alles in mir vibrierte und tut es noch. Gefühlt ist da eine extrem hohe Schwingung, die alles Alte aufbricht, wie eine Nuss, deren Schale aber nicht von außen geknackt wird, sondern aus eigener Kraft mit einem Riesenschwall Energie von innen heraus explodiert.

Und dann war da plötzlich dieser Satz in meinem Kopf. "Wir werden mit Licht geflutet!" Genauso fühlt es sich an. Dieses Licht, diese extrem hochschwingende Energie, die gerade in uns einfließt, lässt keinen Platz mehr für Altlasten, für Blockaden, für niederschwingende Emotionen, die sich festgesetzt haben. Es ist, wie wenn diese Energie, dieses Licht wie mit einem Kompressor in uns reingeblasen wird und uns alles wegfliegt, was wir nicht sind, wie wenn alles aus unseren Poren schießt, was uns hinderlich ist. Es geht gar nicht anders. Mich würde es nicht wundern, wenn wir in den nächsten Tagen Pickel bekommen würden wie in der besten Teenyzeit oder wir Durchfall haben und den Scheiß so loswerden. Reinigung auf allen Kanälen, weil sich der Dreck nicht mehr halten kann, zu hoch sind die Schwingungen, die uns jetzt ausmachen.

Dieses Licht macht Platz in uns, weitet uns und lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes in unsere wahre Größe explodieren. Wir werden wieder noch größer und noch weiter, noch lichter und heller, noch freier und reiner und heiler, noch mehr wir.

Wie immer in solchen Phasen sorge ich gut für mich, schlafe, wenn ich müde bin, egal welche Tageszeit, esse, nach was mir gerade ist, mache nur das, was wirklich dran ist, zwinge mich zu nichts.

So heftig habe ich diese Energien noch nie wahrgenommen. Ich genieße sie in vollen Zügen. Mein Körper darf sich wieder und wieder an die Schwingungserhöhung anpassen. Und auch wenn das manchmal echt unangenehm ist, so kann ich mir fast nichts Schöneres vorstellen, als ständig weiter zu wachsen.

Kommt gut durch diese faszinierende Zeit und achtet euch und eure Bedürfnisse!

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto: Anja Reiche

Sonntag, 12. Februar 2017

Wer oder was ist Gott?

In meinem Artikel Die großen Fragen des Lebens habe ich angekündigt, dass ich in nächster Zeit all diese beantworten will und euch erzählen will, was ich so generell über das Leben glaube. Gott, den Tod, Himmel und Hölle, etc. Den Artikel habe ich Anfang September letzten Jahres geschrieben und seither keine Frage davon beantwortet. ;) War irgendwie nicht dran... 

Nun möchte ich damit anfangen, denn der Glaube, den ich mittlerweile über das Leben habe, ist so enorm wichtig für meinen inneren Frieden, für mein Wohlgefühl, dafür, in mir ruhen zu können und dafür, in meiner Kraft zu sein. Dadurch habe ich erkannt, wer ich eigentlich wirklich bin. Das Beste, was mir je passiert ist. ♥

Mein Gott von früher

Meine Suche nach Gott begann mit Anfang zwanzig. Rückblickend habe ich bemerkt, dass diese Suche und die damit einhergehende, grundlegende Veränderung meines Weltbildes der Dreh- und Angelpunkt sind, wenn es darum geht, wieder in seine Macht zu kommen und zurück zu sich selbst zu finden. Nichts war für mich wichtiger als mein Weltbild gründlich auf links zu drehen. Diese neue Sicht der Dinge ermöglichte mir erst alle weiteren Schritte der Heilung, weil sie dadurch erst „logisch“ und denkbar waren.

Aufgewachsen bin ich mit einem evangelischen, christlichen Weltbild. Das Gute daran ist, dass ich von Anfang an glaubte und wohl auch irgendwie wusste, dass es eine Art „höhere“ Macht gibt, die wir Gott nennen. Auch Engel waren von Kindesbeinen an für mich real. Nicht weil ich sie wahrnehmen und mit ihnen sprechen konnte wie heute, sondern es war eher ein inneres Wissen. Das war schon mal gut. Der Rest von diesem Glauben eher nicht so. ;) 

Der Gott, der mir vermittelt wurde, erwartete gewisse Verhaltensweisen. Es durften keine Witze über ihn gemacht werden. Generell durfte man in der Kirche keine Freude haben, sondern musste immer ernst und seriös sein. Mit allen Predigten, an die ich mich so erinnere, verbinde ich immer den gedanklichen mahnend erhobenen Zeigefinger. Nur alleine weil man existiert, so wurde mir vermittelt, ist man schon Sünder. Man kommt da gar nicht dran vorbei. Das verunsichert schon ziemlich, muss ich sagen. Bei allen Beichtgottesdienstes, an denen ich teilgenommen habe, wusste ich nicht wirklich, was ich zu beichten hätte und dennoch musste es doch da was geben, weil sich doch keiner von der Sünde freisprechen kann. Wie bescheuert! Die Sache mit dem Fegefeuer hat mir schon ziemlich Angst gemacht, vor allem weil so unklar war, was denn nun eigentlich dazu führt, dass man dazu vom jüngsten Gericht verteufelt wird. (Schönes Wortspiel! ;)) Mir war nie ganz klar, was dieser Gott denn nun gut findet und was nicht. Deswegen waren mir Kirchen auch lange irgendwie unheimlich. Ich fühlte mich immer, wie wenn ich da unter noch strengerer Beobachtung stand. Ziemlich stressig das Ganze.

Zum Gottesdienst musste man in unserer Familie schon alleine deswegen, damit die Nachbarn nicht reden. Der Rest war eigentlich gar nicht so wichtig. Also ganz so streng erzogen wurde ich dahingehend nicht. Das meiste der christlichen Prägungen lief eher über Predigten, Religionsunterricht und dem heißgeliebten Präparanden- und Konfirmandenunterricht ab. Das zu meiner Ausgangslage in Sachen Gott.

Lange war mir der Glaube ziemlich schnuppe. Nachdem ich konfirmiert hatte, sah ich Kirchen nur noch auf Hochzeiten, Taufen und an Weihnachten von innen. Doch wie gesagt, mit Anfang zwanzig machte ich mich auf die Suche nach meinem eigenen Glauben, weil ich allzu viele Fragen hatte.

Mir wollte es nicht in den Kopf, dass nur Menschen in den Himmel kommen (sofern es diesen gibt), die an Jesus glauben. Das war für mich so unlogisch. Was war denn dann mit all den Religionen, in denen es keinen Jesus gab? Hatten die schon nur deswegen Pech, weil sie mit dem falschen Glauben groß geworden sind? Das machte für mich alles keinen Sinn. Aber das war nicht das einzige, was sich für mich nicht rund und stimmig anfühlte.

Warum sollte ich von vorne herein ein Sünder sein, nur weil Adam und Eva, dessen Existenz mal dahingestellt sei, irgendwas getan oder eben nicht getan haben. Was hatte denn bitte ich damit zu tun?

Dann die Schöpfungsgeschichte… Das hatte ich als Kind in der Schule schon nicht verstanden. Wie ist denn nun die Welt entstanden? Urknall oder die Schöpfungsgeschichte aus der Bibel? Was ist denn nun wahr? Und wieso passt die Theorie von Wissenschaft und Religion nicht zusammen?

Warum steht ein Papst oder ein Pfarrer oder sonst irgendein Geistlicher Gott näher als ich? Was qualifiziert sie dazu? Ein Theologiestudium? Wieso brauch ich denn Mittelsmänner zu Gott? Warum glauben diese Menschen Gott besser zu verstehen als andere?

Und wenn der Papst, wie das neulich der Fall war, mal eben beschließt, dass Katholische in Ausnahmefällen nun doch zwei Mal kirchlich heiraten dürfen und dass das nun keine Sünde mehr ist, sagt er dann in der Hölle Bescheid, damit die sich auch an die neuen Richtlinien halten können?

Mal wurden Hexen verbrannt, weil es angeblich der Glaube so wollte, dann wieder nicht mehr. Mal wurden Geisteskranke verfolgt und dann wieder nicht mehr. Mal wurden Heterosexuelle verpönt, nun nicht mehr ganz so streng. Nun dürfen manche Katholische zweimal kirchlich heiraten. All die Meinungsumschwünge und „Regeländerungen“ kamen aber vom Menschen. Die Menschen haben jeweils entschieden, was sich gehört und eben nicht, immer so, wie sie den Glauben gerade ausgelegt und verstanden haben. Was hat das denn alles mit einem Gott zu tun? Bringt er regelmäßig neue Gesetze raus?

Die evangelischen Pfarrer dürfen heiraten, Sex haben, Kinder kriegen. Da ist das in Ordnung. Die katholischen müssen im Zölibat leben. Haben die unterschiedliche Fegefeuer? Misst Gott da mit zweierlei Maß und wenn ja, warum?

Was ist mit all den Änderungen und Zensierungen, die bewiesener Maßen immer wieder an der Bibel stattgefunden haben? Die Sache mit der Wiedergeburt wurde rausgenommen, weil sich irgendwelche Herrscher davon bedroht fühlten. Auch alle anderen Änderungen haben ähnlichen Hintergrund – irgendjemand fühlte sich durch die Worte und deren mögliche Auslegung bedroht und der Mensch hat die Bibel umgeschrieben. Was davon kann man denn dann noch glauben? (genaueres googelt bitte - ihr wisst ja, diese Beweissache ist nicht meins - ich hab das mal gelesen und mein Herz sagt mir, dass es stimmt ;) )

Wenn Gott ein richtendes Wesen ist, der beurteilt wer gut und schlecht ist und welche Gebete erhört werden und welche nicht, nach welchen Regeln macht er das? Die 10 Gebote alleine reichen da ja wohl nicht aus, oder? Und auf die Bibel braucht er auch nicht mehr zurückgreifen. ;)  Handelt er nach dem Zufallsprinzip? Ist er ein Gott der Willkür? Und wo um alles in der Welt bleibt dann unser freier Wille, wenn wir zwar tun und lassen können was wir wollen, aber hinterher dann doch bestraft werden?

Mal ehrlich, das macht doch alles keinen Sinn, oder?

Hab ich schon erwähnt, dass ich aus der Kirche ausgetreten bin? ;)


Mein Gott heute

Nun will ich euch also erzählen, was ich so gefunden habe auf meiner Suche nach meinem Gott und meinem Glauben. Ich habe einen Glauben gefunden, der in mir ein großes, warmes JA erzeugt, der sich für mich stimmig anfühlt, bei dem mein Herz sagt, dass er wahr ist. Ich möchte euch dieses Angebot machen und bitte euch, nichts einfach so zu glauben, sondern alles mit eurem Herz zu prüfen. Ihr sollt nach eurer Wahrheit leben und nicht nach der Wahrheit eines anderen, nur weil es für ihn gut ist.

Ich glaube, dass Gott Energie ist, Bewusstsein, die Summe allen Bewusstseins, das All-Bewusstsein. Jede einzelne Seele ist ein Teil von ihm. Gott, die Energie, die er ist, hat sich zerteilt. Diese Teile, ich nenne sie Seelen, erschaffen sich einen menschlichen Körper und machen damit auf dieser Erde Erfahrungen und so erfährt sich Gott selbst. Nur so ist es ihm möglich, alles, was ist, zu erfahren, das Leben zu erfahren. Hier auf dieser Erde, in einer Welt der Dualität, in der wir das getrennt sein erfahren können, das getrennt sein vom All-Bewusstsein. Wir erleben uns als Individuen und sind doch Teil des großen Ganzen. Es gibt nicht entweder oder sondern und. Wir sind Individuen und doch alle eins. Wir sind geistige Wesen, die sich einen Körper erschaffen haben und diesen in jeder Minute immer noch erschaffen. Wir sind in unserem Kern Energie. Alles ist in seinem Kern Energie. Jede Materie, jeder Tisch, jeder Stein, jedes Lebewesen ist in seinem Kern Energie. Materie besteht aus Atomen, die ihm Kern nur aus Schwingung bestehen. Daher ist es für mich das Normalste von der Welt, dass ich mit allem und jedem in Verbindung stehe und geistig kommunizieren kann, dass ich mich einfühlen kann, dass ich zu allem in Beziehung stehe. Ich sprach im Geiste mit unserem Auto, als wir es verkaufen wollten, um reinzuspüren, ob es auch ok ist. Und so mache ich es mit allem.

Und so ist mein Gott, wie ich ihn verstehe, kein Wesen, das über Wohl und Übel der Menschen entscheidet, ein Wesen, dem wir untergeordnet sind und auf dessen Gutdünken wir angewiesen sind. Weit gefehlt. Wir selbst sind Gott und wir gestalten unser Leben. Wir sind aus dem gleichen Stoff und mit der gleichen schöpferischen Macht ausgestattet. 

Für viele, die dem Glauben anhängen, wie ihn die christliche Kirche verbreitet, mag sich das anhören wie die bloße Gotteslästerei, wenn man sich mit Gott auf die gleiche Stufe stellt. Aber mein Herz sagt mir, dass genau das wahr ist. Und tatsächlich erfahre ich es jeden Tag und jeden Tag mehr wie machtvoll und kraftvoll unser Schöpferwesen ist. Wir dürfen uns an den Gedanken gewöhnen, dass die Materie immer dem Geist unterliegt und dass die geistigen Wesen, die wir nun einmal sind, Schöpferkraft pur sind.

Ich bin Gott! Ich bin göttlich! Ich bin kraftvoller, machtvoller Schöpfer! Wie hört sich das für dich an? Was geht da in dir vor? Kommt da direkt Widerstand oder kannst du dich mit dem Gedanken anfreunden?

Als ich das erste Mal von diesem Weltbild gelesen habe, habe ich gelacht und geweint gleichzeitig. Endlich stand da schwarz auf weiß, was ich tief in meinem Inneren schon immer gefühlt habe, was ich aber nicht zu glauben gewagt habe, weil es zu schön war, um wahr zu sein. Und endlich stand genau das in diesem Buch „Gespräche mit Gott 1“ von Neale Donald Walsch. Was für eine Befreiung und Offenbarung das damals für mich war. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ab da durfte ich mein gesamtes Weltbild auf den Kopf stellen und alles hinterfragen, was mir je über das Leben und die Welt beigebracht wurde. Das Beste, was ich je gemacht habe. Plötzlich steht alles in einem ganz anderen Zusammenhang. Plötzlich bist du kein Opfer mehr von Umständen, vom Leben, von Gottes Wille. Plötzlich bist du Schöpfer und alles, was sich in deinem Leben zeigt, ist dein Werk, deine Schöpfung, Produkt deiner Gedanken und Überzeugungen. Plötzlich hast du alles selbst in der Hand und bist nicht mehr ausgeliefert oder hilflos. 

Gott schätzt eine jede Erfahrung, die wir machen, weil er sich dadurch erfährt. Er unterteilt nicht in gut oder schlecht. Das tun nur wir Menschen. Alles, was existiert, hat seine Berechtigung und darf sein. Er bestraft auch nicht, das "Schlechte", weil es das für ihn nicht gibt. Wir haben den freien Willen und zwar absolut. Wir entscheiden, was wir leben wollen und wie wir unser Leben gestalten. 

Genau diese Weltsicht ermöglicht es mir, mich selbst zu heilen, mein Leben komplett in die Hand zu nehmen, denn ich habe die Macht und die Kraft, das, was ich an Schmerz erschaffen habe, auch wieder zu ändern. ICH bin der Gestalter meines Lebens und sonst niemand. 

Das ist meine Wahrheit!

Fortsetzung folgt... 

Foto: Anja Reiche

Donnerstag, 9. Februar 2017

Bei mir sein

bei mir sein
mich selbst in den Arm nehmen
mir all die Liebe und Geborgenheit geben, die ich heute brauche
heilsame Nähe mit mir selbst
Sanftheit
Wärme
Güte
von mir für mich
wattig weich
weil ich mich achte

Anja ♥ 
 
Foto: Anja Reiche
 

Dienstag, 31. Januar 2017

Wie wir unsere Ohnmacht selbst erschaffen

Immer wieder lese und höre ich, dass viele meinen, sich vor Fremdenergie schützen zu müssen, vor emotionalen Vampiren, vor Energieräubern, vor negativen Schwingungen und vielleicht sogar Besetzungen.

Dazu möchte ich euch in diesem Artikel meine Wahrheit erzählen, denn ich glaube, dass da ein Missverständnis vorliegt. Es geht in diesem Leben nicht darum, sich zu schützen. Wir sind nichts und niemandem hilflos ausgeliefert, nicht als Erwachsener. Andere haben genau die Macht über uns, die wir ihnen, meist auf unbewusste Weise, zusprechen und zugestehen. Niemand kann mich aussaugen oder meinen Raum einnehmen, wenn ich es nicht zulassen würde. Nichts geschieht, ohne eine Entsprechung in mir, ohne dass ich es irgendwie erschaffen hätte.

Unser wahres Wesen ist weit und hell und leicht. Das ist die Urqualität unserer Seele. Wir sind mächtige Schöpfer. Wenn ich als Erwachsener erlebe, dass ich ohnmächtig bin, dass jemand Macht über mich ausübt, dass mich jemand manipuliert, dass mich jemand aussaugt und auslaugt, dann darf ich mich fragen, wie ich das erschaffe.

Ich bin die Tochter einer narzisstischen Mutter. Meine Kindheit war davon geprägt, geben zu müssen, ihre Bedürfnisse zu erfüllen, meine Bedürfnisse hinten anzustellen, sie mit Aufmerksamkeit zu versorgen, für sie da zu sein, ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Ich war auf Geben programmiert, wurde emotional ausgesaugt, anstatt versorgt zu werden. Ohnmacht, Wut, ausgeliefert sein, nicht ich sein dürfen, eingeengt sein, keine Luft zum Atmen haben, mich nicht entfalten können, Freiheitskämpfe das alles war damals an der Tagesordnung.

Am vergangenen Freitag habe ich das Bild gemalt, das du ganz unten in dem Artikel findest. Es zeigt diese Thematik von mir, die ich die letzten Tage mal wieder bearbeitet habe - Ohnmacht. Dieses Thema kommt immer mal wieder hoch und Stück für Stück löse ich mich daraus, komme wieder in meine Kraft. Wenn ich mich mit etwas auskenne, dann mit Ohnmacht und der dazugehörigen Wut. ;)

Deswegen kann ich mich auch heute hier guten Gewissens hinstellen und sagen, dass Ohnmacht, die wir als Erwachsener erleben, auf welche Art auch immer, hausgemacht ist. Unser wahres Wesen ist Freiheit und Schöpferkraft.

Wie erschaffen wir uns also all diese Situationen, in denen wir ohnmächtig sind, uns ohnmächtig fühlen, scheinbar nichts machen können?

Unsere Kindheit hinterlässt Spuren und beeinflusst unser Erwachsenenleben mehr als wir glauben. Wenn für dich Ohnmacht auch öfter ein Thema ist, dann schau dir Folgendes an:

1. hinderliche Überzeugungen/verletztes inneres Kind
Die Erfahrungen, die wir als Kind machen, prägen unser Bild darüber, wie wir glauben, dass die Welt ist. Wenn wir also mit unseren Eltern, Geschwistern oder anderen wichtigen Bezugspersonen Erfahrungen gemacht haben, in denen wir wirklich ohnmächtig waren (als Kinder sind wir wirklich ausgeliefert und ohnmächtig, angewiesen auf die Erwachsenen und deren Versorgung), dann lernen wir, dass wir immer einer höheren Macht unterstellt sind, dass wir uns im Leben unterordnen müssen, dass wir unsere Bedürfnisse hinten anstellen müssen, dass wir nicht wichtig genug sind, dass wir nichts ausrichten können, dass wir schwach sind, dass wir andere beliefern und versorgen müssen. Das, was unser Kind von damals angefangen hat über das Leben zu glauben, das wird sich ihm immer wieder zeigen. Wir erschaffen es durch unsere Überzeugung, die wir damals erlangt haben. Das Kind in uns hat angefangen eine Lüge über das Leben zu glauben. Erzählen wir ihm endlich, dass es Schöpfer ist.

2. verdrängte Gefühle
Wenn wir als Kind wirklich diese ohnmächtigen Situationen erlebt haben, dann hat sich das scheußlich angefühlt. Wir mochten dieses Gefühl nicht und haben auch nie gelernt mit unangenehmen Gefühlen umzugehen. Also haben wir sie verdrängt, in uns vergraben, uns abgelenkt oder wurden sogar auch von Erwachsenen abgelenkt, wenn wir geweint haben. Verdrängte Gefühle setzen sich in unserem Energiesystem fest. Sie durften nicht fließen und bilden Blockaden. Diese tragen wir auch als Erwachsener noch mit uns herum. Das Leben möchte aber fließen und so kann es sein, dass wir immer wieder in Situationen geraten, in denen wir uns ohnmächtig fühlen, damit wir das Gefühl endlich fühlen und annehmen und in Fluss bringen. Die Ohnmacht klopft quasi immer wieder an und fragt uns, ob wir jetzt Zeit für sie haben. Umso mehr wir die Ohnmacht bejahend fühlen, umso weniger Grund hat sie, immer wieder anzuklopfen.

3. verlorener Zwilling
Was bei mir auch enorm mit dem Ohnmachtsthema zu tun hatte, ist die Tatsache, dass ich einen verlorenen Zwilling habe. Das ist mir vor einiger Zeit plötzlich klar geworden. Ich war im  Bauch meiner Mutter nicht alleine. Das sind die wenigsten. Ich habe mal gelesen, dass 80 % aller Schwangerschaften als Mehrlingschwangerschaft beginnen und im Laufe der Schwangerschaft nur ein Embryo überlebt (googelt das einfach mal). Die meisten Eltern wissen nicht, dass da mal mehr Embryos waren. Der Verlust, den das überlebende Kind aber erleidet, ist groß.
Mir hat der Verlust meines Zwillings einen enormen Schmerz zugefügt. Ein Wesen, das mir so nah war und dessen Herzschlag ich spüren konnte, war plötzlich weg, ist verschwunden, ohne mich zu fragen. Ich konnte nichts dagegen tun. Auch diese Erfahrung prägt hinderliche Überzeugungen. Bei mir war es die Überzeugungen, dass es immer Menschen geben wird, die Entscheidungen über meinen Kopf hinweg treffen. Auch hier habe ich meinem inneren Kind gesagt, dass das eine Lüge ist und es mit Liebe geheilt.

4. abgespaltene Seelenanteile
Dieser Aspekt ist auch für mich ganz neu. Ich habe schon öfter von abgespaltenen Seelenanteilen gelesen, hatte aber nie einen Bezug dazu. Als nun am Wochenende das Thema Ohnmacht wieder so präsent war und ich das Gefühl hatte, dass die Energie meiner Mutter mich überlagert, sie wieder in meinen Raum eingedrungen ist (obwohl wir gerade keinen Kontakt haben), mir viel zu nah ist, da habe ich mich gefragt, wie ich sie wohl dazu ermächtige, mir so ungesund nah zu kommen. Und plötzlich schoss es mir in den Kopf: abgespaltene Seelenanteile!!! Der Schmerz, den ich damals als Kind in all den Situationen erlebt habe, war so groß, dass ich ihn mit einem Anteil meiner Seele abgespalten habe. Ich hätte sonst nicht überlebt. Wenn wir uns unsere Seele als Energiekugel vorstellen, die eigentlich in uns und weit um unseren Körper herum existiert, dann resultiert aus einer Abspaltung, dass diese Energiekugel kleiner wird. Wenn das öfter passiert, dann wird diese Kugel immer kleiner und kleiner. Wir sind nicht mehr in unserer Macht, wir nehmen unseren Raum nicht mehr ein und deshalb können uns andere so verdammt nahe kommen, zu nahe kommen. Sie können aber nur den Raum einnehmen, den wir freigemacht haben. Abgespaltene Seelenanteile können für andere Tür und Tor öffnen und dazu braucht es keine böse Absicht. Für die Rückholung dieser Seelenanteile braucht es nicht viel - wir müssen sie nur darum bitten, und wenn es wirklich an der Zeit ist, dann kommen sie sehr schnell zurück. Mit ihnen auch der Schmerz, den wir damals nicht ertragen haben. Diesen dürfen wir annehmen. Das ging bei mir innerhalb weniger Stunden. Dieses Gefühl wieder vollständig zu sein, mich wieder um mich herum wahrzunehmen, wieder tief atmen zu können, wieder Luft zu bekommen, ist einfach herrlich. Ich fülle mich wieder aus und wenn ich das tue, dann kann es niemand anders.

Wir müssen uns nicht vor anderen schützen. Wir dürfen uns selbst wieder heilen, unseren Raum wieder einnehmen, uns vollständig machen, Lebenslügen ausräumen, die Ohnmacht annehmen. Niemand hat Macht über uns - es sei denn wir geben sie ihm!

Ich sende euch machtvolle Herzensgrüße
Anja




Freitag, 20. Januar 2017

Knacken wir die Schale von innen heraus auf

Heute habe ich das erste Mal in diesem Leben zu schamanischen Trommeln getanzt und durfte feststellen, dass ich dies in früheren Leben schon sehr oft getan habe. Ich habe mich erinnert, wie kraftvoll und machtvoll dieses Ritual ist. Die Erinnerung kam beim Tanzen. Alte Bilder aus früheren Leben, Bewegungen, die mir neu waren und doch so vertraut, schon tausend mal gemacht. Ich sah mich am Lagerfeuer mit meinem Stamm, hörte das Rufen und Gellen der anderen Tänzer, fühlte meine Berufung und mein wahres Wesen deutlicher denn je.

Dieses Bedürfnis heute zu tanzen kam einfach über mich. Derzeit fließt wieder so viel alter Ballast ab und ich hatte plötzlich den Impuls, dass das Tanzen diesen Reinigungsprozess herrlich unterstützen wird. Und so war es auch... Die rhythmischen, intuitiven Bewegungen helfen so gut, das Abfließen von Blockaden, überholten Glaubenssätzen, Verhärtungen und Anspannungen im Körper zu fördern. So viel hat sich über all die Leben in unserem Energiekörper angesammelt, das unseren menschlichen Körper belastet, was wir nun nicht mehr sind. Es ist, wie wenn wir einen zu engen Panzer tragen, der nun aufgesprengt werden kann. All unsere harten Gedanken, alles vermeintliche Müssen, jeder Zwang und jede Einschränkung, all das Verbiegen und Anpassen hat uns eng und hart gemacht, hat sich im Körper festgesetzt, zeigt sich in Form von Nackenschmerzen, eingerosteten Gelenken, Gelenkproblemen generell, Ablagerungen und Verhärtungen in den Venen, in den Faszien, im Bindegewebe. Alles was über so lange Zeit hart und unbeweglich geworden ist, darf wieder weich und geschmeidig werden. Es ist jetzt an der Zeit.

Was mir gerade noch sehr gut tut, ist Ingwertee. Den inhaliere ich zur Zeit förmlich, ohne wirklich etwas über die Wirkung zu wissen, eher fühle ich sie. Weinen tut mir immer sehr gut und auch jetzt. Tiefes, kraftvolles Atmen reinigt auch enorm, vor allem an der frischen Luft. Viel Ruhe, langes Schlafen - hier kann die Seele ihren Teil der Arbeit gut machen. Und natürlich alles fühlen und zulassen, was gerade Aufmerksamkeit braucht. Spürt einfach jeden Moment ganz intensiv in euch rein und handelt ganz nach eurem Gefühl. Esst, was sich gut anfühlt, von dem ihr merkt, dass ihr es gerade braucht, so "unlogisch" es erscheinen mag. Und wenn euch danach ist, tanzt!!!

Brechen wir die harte Schale von innen heraus auf. Wir haben schon so viel getan und gereinigt, geheilt und entlassen. Nun darf sich unser menschlicher Körper der höheren, leichteren Schwingung unseres Energiekörpers anpassen. Weichen wir ihn auf, lassen wir auch hier die Leichtigkeit einfließen, die Entspannung, die Heilung.

Herzensgrüße von mir
Anja

PS: Teilt das gerne! ♥

Foto: Anja Reiche

Mittwoch, 18. Januar 2017

In uns ist alles angelegt

Die letzten Tage schlafe ich fast immer 12 Stunden und das in einer Mischung aus Halbschlaf, wirrer Träume und einer endlosen Schwere, die es mir unmöglich macht, vorher aufzustehen. Gefühlt findet gerade ein enormer Umbauprozess statt. Gestern Abend hatte ich einen ganz heiligen klaren Moment (sonst bin ich eher vernebelt).

Nun ist es wirklich so weit, dass wir nur noch beiseite treten müssen, um unsere Seele vorausgehen zu lassen. (siehe dazu auch den Artikel über 2017) Es ist alles in uns angelegt. Wir müssen nichts steuern oder kontrollieren, nichts erzwingend in die Wege leiten oder für irgendwas kämpfen. Ich habe das gestern ganz deutlich an dem Beispiel mit meinen Zähnen gespürt. Mir ist gestern ein Stück Füllung abgebrochen, ziemlich groß, so dass gefühlt der halbe Zahn fehlt. Ich habe ein ganz starkes inneres Bild und das schon lange, dass ich irgendwann komplett starke, gesunde, vollkommen heile Zähne habe. Auch die Zähne, die jetzt mit Füllungen versehen sind, sind irgendwann wieder heil und ganz und vollkommen natürlich. Es ist ein Bild, dass neue nachwachsen, sie sich erneuern, auf welche Weise auch immer. Diese Wahrheit und dieser Zustand ist in mir angelegt. Wie ich da hinkomme, weiß ich nicht. Wann das so sein wird? Keine Ahnung, gefühlt ganz bald. Das muss ich aber auch nicht wissen. Es ist alles in mir angelegt und ich trete beiseite, meinen Geistführer oder Schutzengel an meiner Seite, gut behütet und wir schauen zu, wie meine Seele das richtet und in die Wege leitet, das umsetzt, was eh schon angelegt ist.

Es ist wie ein Samenkorn. Niemand kann diesem Samenkorn vorschreiben, was es werden soll. Wenn es sich um eine Eichel handelt, dann wird eine Eiche daraus. Daran kann niemand etwas ändern, kein Ego und kein Einfluss von außen. Diese Eichel wird eine Eiche und zwar dann, wenn es dafür an der Zeit ist. In der Eichel ist alles dafür gespeichert und nichts und niemand kann daran etwas ändern. Es können sich noch so viele um die Eichel herum aufstellen und auf sie einreden, aber es wird kein Rosenstrauch aus ihr. Wir dürfen also getrost beiseite treten und der Natur ihren Lauf lassen. Und genauso ist in uns alles angelegt für dieses Leben. Unsere Seele hat unseren Samenspeicher mit allem gefüllt, was in diesem Leben wichtig ist. Wir müssen nichts werden, wir sind schon. Wir müssen uns nicht anstrengen, es geschieht von alleine. Alles immer zur rechten Zeit. Auch die Eichel braucht eine Phase in der Dunkelheit der Erde, um eine Entwicklung zu machen, die von außen nicht sichtbar ist. Beobachter würden sagen, dass da ja gar nichts passiert. In Wahrheit aber, bereitet sich die Eichel vor, treibt ihren Keim aus. Das ist Arbeit. Von außen nicht sichtbar aber unheimlich wertvoll und nötig. Es passiert so viel im Untergrund, auch wenn wir es nicht sehen können. Es ist wichtig, damit wir irgendwann in das Licht der Sonne vorstoßen können und in unsere ganze Größe wachsen können. In diesem Samenkorn ist alles gespeichert, was wir für unser Leben brauchen, für unser Leben als Eiche, nicht als Rose oder Karotte. Und für diese Eiche ist alles perfekt in die Wege geleitet. Und so ist es in unserem Leben auch. Alle unsere Sehnsüchte und Herzenswünsche sind in uns angelegt, genauso wie ihre Umsetzung. Es ist alles da. Wir hätten diese Sehnsüchte nicht, wenn es nicht auch einen Weg dahin gäbe. In mir ist es angelegt, komplett gesund zu sein. In mir ist es angelegt, Bücher zu schreiben. In mir ist es angelegt, zu wandern. In mir ist es angelegt zu heilen. Uns so weiter... Und der Weg dahin ist auch angelegt, sonst wäre die Sehnsucht nicht da. Ich muss nicht wissen, wie oder wann, nur dass. Und das weiß ich. Dieses Wissen ist die Kraft, die erschafft. Mehr braucht es nicht. Das ist so herrlich einfach und mich hat gestern Abend eine Welle der Geborgenheit und Liebe überflutet, dass ich wirklich weinen musste. Diese wunderbar weißen, gesunden, kraftvollen Zähne gibt es schon in mir. Sie sind da und alles andere auch. Jetzt lasse ich einfach geschehen und mich führen. ❤


Foto und Bild: Anja Reiche

Donnerstag, 29. Dezember 2016

2017 - Jahr des Lichts

Wo ich mich gerade befinde? In einem ganz heiligen und unschuldigen Raum. Die letzten Tage habe ich immer mal wieder überlegt, wie sich mein derzeitiger Zustand in Worte fassen ließe. Ich bin total ruhig und ganz bei mir. 2016 mit all den Themen und der intensiven Transformation ist vorbei, 2017 mit all dem Neuen ist noch nicht da. Und genau dazwischen bin ich gerade. Das Alte ist abgelegt, das Neue nur zu erahnen. Ich bin nackt und es fühlt sich herrlich an. Es gibt gerade nichts zu tun...

Und während es um mich herum brodelt und so viele Menschen extrem schüttelt, fühle ich mich wie im Auge eines Hurrikans. Hier ist es still und ich beobachte. Es fühlt sich an, wie wenn ich alles von mir abgestreift habe, was nicht zu mir gehört, was ich nicht bin. Und ich glaube deswegen schüttelt es auch so viele. Das Leben will endlich, dass wir loslassen, was wir doch eh nicht sind. Es schüttelt uns so lange, bis wir wirklich nicht mehr daran festhalten können, weil wir keine Kraft mehr haben oder ganz die Orientierung verloren haben von dem vielen Geschüttele. Zwischendurch habe ich mich gefragt, ob diese Ruhe bei und in mir trügt, ob bei mir der große Hammer auch noch kommt, weil es um mich gar so tobt. Ich habe hingespürt und dann aber gemerkt, dass diese Ruhe schon passt. Es war irgendwann Mitte Dezember als ein ganz einschneidender Satz mir diese Ruhe brachte. Was wäre, wenn genau jetzt alles in Ordnung ist? Diese einfache Frage hat mich aufatmen lassen. Denn wenn genau JETZT alles in Ordnung ist, alles, was gerade in meinem Leben ist, die körperlichen Symptome, der Kontostand, die Vorlieben, die Abneigungen, wenn das alles da sein darf, weil es vielleicht gerade wichtig für mich ist, dann kehrt Ruhe ein, denn dann will ich nichts mehr unbedingt verändern, dann ist nichts mehr falsch und muss weg gemacht werden. Es darf einfach sein wie es ist und was es ist, nämlich vorübergehend. Wie alles im Leben... Und somit habe ich auch die größte Lüge von mir abgestreift, die Lüge, dass ich so wie ich gerade bin nicht richtig bin.

Was aber wirklich zu mir gehört, was ich wirklich bin, was 2017 verstärkt in den Vordergrund treten wird, ist zwar schon erahnbar, aber die Form noch völlig unklar. Es ist, als liegen alle meine Puzzleteile, die mich in diesem Leben ausmachen, vor mir. Ich habe sie in den letzten Jahren entdeckt, die Teile aussortiert, die nicht zu dem Bild gehören. Aber das fertige Bild ist noch nicht zu sehen, die einzelnen Teile noch nicht an ihrem Platz. Ich bin nackt, unschuldig, erwartungsfrei, wie ein leerer Bilderrahmen, in den dieses Puzzle gehört. Ich bin tatsächlich frei von Erwartung und ich glaube, dass ist im Moment extrem wichtig. Wir dürfen alle Vorstellungen davon loslassen wie 2017 zu sein hat, was zu passieren hat, wie es zu passieren hat und uns dafür öffnen, dass alles kommen darf, was gerade richtig und wichtig für uns ist, was uns am besten ausdrückt, ohne zu wissen, wie es genau aussehen wird, wie es passieren soll. 2017 braucht Raum, ganz viel Raum und Platz zur Entfaltung.

Gefühlt wird im/ab dem neuen Jahr alles anders. Für mich geht nicht nur ein Jahr zu Ende sondern eine ganze Ära, die Ära der Heilung und Transformation. Ab jetzt sind andere Themen wichtig und vordergründig, es wollen ganz andere Erfahrungen gemacht werden. Gefühlt kommt für viele das innere Licht erst so richtig zum Leuchten, es kommt nach außen. Wir haben aufgeräumt die letzten Jahre, haben wirklich viel dafür getan, uns zu heilen, wieder ganz und vollständig zu werden. Es war teilweise hart und von vielen Durststrecken durchzogen, aber immer mehr merken wir, wie sehr sich das alles wirklich gelohnt hat. Und nun stehen wir vor einer Wende. Die letzten Jahre waren nach innen gerichtet. Wir haben unser Licht gesucht, es freigeschaufelt und die Flamme immer größer werden lassen. In den kommenden Jahren dürfen wir mit diesem Licht nach außen gehen, es in die Welt tragen und es immer heller leuchten lassen. Dafür steht für mich 2017. Auf welche Art dieses Licht leuchten wird, wie dieses Leuchten aussehen wird? Keine Ahnung! Und die muss ich auch nicht haben. Ich brauche nur einen Schritt beiseite treten und das Leben machen lassen, meine Seele vorangehen lassen, in jedem Moment. Und so werde ich einfach SEIN, wenn es gerade nichts zu tun gibt und TUN, wenn es an der Zeit ist und zwar nur das, was sich absolut richtig anfühlt. Ich werde das eine vom anderen unterscheiden können, weil ich das jetzt schon kann und in jedem einzelnen Moment das für mich Richtige "tun", meinen Impulsen folgen.

Und genau das ist mein "Vorsatz", meine Entscheidung und mein tiefes Gefühl für das neue Jahr:
Ich gebe dem Leben urteilsfrei seinen Raum! Ich gebe mir meinen Raum!
Wie immer das aussehen mag. Auf jeden Fall bin ich tierisch neugierig!

Ich wünsche euch allen einen zauberhaften und magischen Start in das neue Jahr. Vielleicht wollt auch ihr einen Schritt beiseite treten und mit staunenden Augen zusehen, wie sich das Leben, euer Leben, vor euch entfaltet.

Herzensgrüße von mir
Anja

Foto: Anja Reiche


Sonntag, 18. Dezember 2016

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Heute möchte ich euch eine Weihnachtsgeschichte schenken. Eine Geschichte, die in den letzten Tagen auf die Welt wollte und von der ich bei den ersten Sätzen, die mir in den Kopf kamen, nicht wusste, wie sie ausgehen würde. Heute wollte sie zu Ende geschrieben werden. Ich bin einfach nur dankbar und tief berührt von diesem Schöpfungsprozess. Für mich ein großes Wunder...

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Die Straße lag dunkel da. Der Schnee ließ sie dennoch magisch leuchten. Er war alleine, hörte nur das Knirschen unter seinen Füßen, wenn er den nächsten Schritt in das jungfräuliche Weiß machte. Er klappte den Kragen von seinem Mantel hoch und zog die Mütze noch tiefer in die Stirn, schob das Kinn weiter in den Schal. Es war rattenkalt und normalerweise wäre er um die Uhrzeit nicht mehr draußen unterwegs. Doch es hatte ihm keine Ruhe gelassen. Er musste zu ihr. Während er so ging kamen ihm bunte Erinnerungen an gemeinsame Zeiten. Lachende Gesichter, Albernheiten und ganz nahe, vertraute Momente zogen in seinem Geist vorbei und erhellten sein Inneres, wärmten ihn. Was hatten sie nicht alles zusammen erlebt. Auch schwere Zeiten voll Trauer und Schmerz hatten sie geteilt, gemeinsam durchgestanden. Und mochte es auch noch so hart gewesen sein, sie konnten sich immer aneinander festhalten wie Ertrinkende am Rettungsring. Sie standen sich bei, hörten sich zu, fingen sich auf und irgendwann ging immer wieder die Sonne auf und das Unwetter des Lebens verzog sich wieder. Nach jedem Sturm waren sie sich noch näher, kannten sich besser, liebten sich mehr. Sie waren sich sicher, dass sie alles zusammen meistern würden, dass sie ewig zusammenbleiben würden. Er blieb stehen und schaute sich um. War er überhaupt noch richtig? Irgendwie kam ihm die Gegend fremd vor. Aber vielleicht schlugen ihm auch nur die Dunkelheit und die schneebedeckten Gassen ein Schnippchen. Er senkte den Kopf wieder in seinen Mantelkragen und setzte den Weg fort. Wieder kamen Erinnerungen. Sie stritten sich. Das geschah damals zu der Zeit sehr oft. Fast täglich. Irgendwann hatte das angefangen. Er konnte gar nicht mehr genau sagen, wann. Ein jedes Gespräch, so harmlos es auch angefangen hatte, endete in einer Auseinandersetzung. Sie schienen, nicht mehr die gleiche Sprache zu sprechen, nur noch aneinander vorbei zu reden. Dann hatten sie sich irgendwie gar nichts mehr zu sagen und eines Abends als er nach Hause kam, war sie weg. Einfach weg. Ihre Abwesenheit riss riesige Löcher in die Wohnung. An den Stellen, an denen vorher ihre Sachen gestanden hatten, klafften große Lücken, die sich anfühlten wie Wunden, wenn er sie betrachtete. Was war schief gelaufen? Wie hatte das passieren können? Wieso hatten sie das nicht verhindern können? Abwenden? Wieder blieb er stehen und sah sich um. Er stand vor der Kirche. Da hatte er sich ja ganz schön verfranzt. Wie von selbst ging er die zwei Stufen zur Eingangstür hoch und drückte die schwere, eiserne Klinke. Tatsächlich öffnete sich die Tür. Er trat ein und zog leise das massive Holz hinter sich ins Schloss. Das Innere war schwach von den Kerzen erleuchtet, die vorne im Altarraum brannten. Noch nie zuvor war er nachts in einer Kirche gewesen. Seltsames Gefühl, irgendwie unheimlich aber auch tröstlich. Nach ein paar Schritten setzte er sich in eine Bank und ließ die Stille und das Kerzenlicht auf sich wirken. Hier hatten sie damals geheiratet. Was für ein glücklicher und schöner Tag das gewesen war. Niemand hätte damals vermutet, dass ihre Beziehung irgendwann den Bach runter ging. Er schloss die Augen und Tränen rannen über seine Wangen, kullerten ungehindert auf seinen Mantel.
„Du hast dich selbst verloren und damit auch sie.“
Er riss erschrocken die Augen auf und sah sich um. Aber niemand war zu sehen, zu dem diese Stimme gehören könnte. Eine Gänsehaut jagte ihm über den Körper. Und obwohl das gerade ziemlich spooky war, wusste er, dass er keine Angst haben brauchte, dass er sicher war. Er schloss wieder die Augen und lauschte.
„Ich bin froh, dass du mir endlich zuhörst. Ich habe schon so oft versucht, mit dir zu reden. Es musste wohl erst zum Äußersten kommen.“
Langsam fand er sich mit der Situation ab, dass er diese herrenlose Stimme hörte. Also saß er da einfach mit geschlossenen Augen und hörte zu. Es schien wichtig zu sein. Plötzlich spürte er, dass sich jemand neben ihn in die Bank setzte. Wieder riss er die Augen auf und sah einen alten Mann neben sich, graue Haare, grauer Bart, schwarzer Mantel, schwarzer Hut und trotz des Alters eine stattliche Erscheinung. Der Mann blickte unverwandt geradeaus.
„Erkennst du mich nicht?“
Stumm schüttelte der Jüngere den Kopf. Er hatte den Alten noch nie zuvor gesehen.
„Normalerweise siehst du mich auch nicht, Ben. Aber ich dachte, du hörst mir vielleicht besser zu, wenn du mich sehen kannst.“
Ben starrte den Alten nur mit großen Augen an und sagte nichts.
„Gesprächig bist du ja nicht gerade, was? Na, umso besser. Dann kann ich ja loslegen.“
„Warte!“ Ben hatte seine Sprache wiedergefunden. „Sag mir erst, wer du bist.“
„Hast du wirklich keine Ahnung? Nicht mal eine Vermutung?“ 
Ben senkte den Kopf und schluckte. Doch, eigentlich wusste er es schon, seit dem ersten Satz, der ihn hier in der Kirche so unerwartet getroffen hatte. Eigentlich hatte er die ganze letzte Zeit gespürt, dass ihm was fehlte. Erst hatte er gedacht, dass Lara ihm fehlte, seine Frau. Aber wenn er ehrlich war, dann hatte er diese Leere auch schon gespürt als Lara noch da war. Tief in ihm hatte er irgendwann erkannt, was ihm wirklich fehlte, aber er hatte Angst. Angst, hinzusehen, Angst vor dem, was sich zeigen würde, Angst, überrollt und überwältigt zu werden, den Boden unter den Füßen zu verlieren, Angst, seinen Schatten ins Auge zu sehen.
„Dacht ich‘s mir doch.“
Ben sah den alten Mann nun an. Es kostete ihn einige Überwindung, ihm fest in die Augen zu sehen. „Du bist meine Seele, richtig?“
Der Alte nickte langsam und ließ den Blick auf Ben ruhen. „Weißt du, Ben, eigentlich brauchst du überhaupt keine Angst vor mir zu haben. Ganz im Gegenteil, eigentlich solltest du dich auf mich und über mich freuen. Ich weiß nicht, was euch Menschen immer dazu veranlasst, vor dem wegzulaufen, was eure größte Freude, euer größtes Geschenk, euer größter Halt ist. Ihr versucht euch an allem Möglichen im Außen festzuhalten, versucht euch über Dinge und Gegenstände zu definieren, ja sogar zu identifizieren und vergesst dabei, wer ihr wirklich seid. Ihr seid nicht euer Auto und auch nicht euer Kontostand, ihr seid nicht eure Diamantohrringe und auch nicht der Dienstgrad auf der Arbeit. Wenn ihr am Ende dieses Erdenlebens euren Körper verlasst, dann hat das alles keinen Wert mehr. Das letzte Hemd hat keine Taschen, wie ihr immer so schön zu sagen pflegt. Was ihr am „Ende“, das in Wahrheit keine Ende ist, wirklich mitnehmt, das sind die Momente, in denen ihr gefühlt habt, in denen ihr geliebt habt, in denen ihr ganz da ward, präsent. Es sind die Momente, in denen ihr euch voll und ganz lebt, in denen ihr euch entdeckt und an euch selbst erfreut, in denen ihr der Welt eure Potentiale schenkt, eure Freude schenkt. Diese Momente sind es, die ihr wirklich mitnehmt und in eurer Seele speichert, die eure Seele nähren. Und wenn ich sage „voll und ganz lebt“ dann meine ich damit nicht nur die schönen Gefühle. Das ist einfach. Nein, damit meine ich alle Gefühle, alle Seinszustände. Denn kein Gefühl, kein Seinszustand ist weniger wert als der andere. Es geht nicht darum, etwas weghaben zu wollen, eine Seite auszuschließen und nur die andere leben zu wollen. Es geht nicht darum, gut zu sein und das „Schlechte“ zu verurteilen und zu bekämpfen. Das Schlechte gibt es nicht. Das Schlechte ist eine wechselhafte Definition von euch Menschen. Es geht hier darum, wieder vollständig zu werden und dann auch zu sein. Einen Teil vom Leben ablehnen, heißt einen Teil von dir ablehnen und damit schwächst du dich, machst dich krank und hart und unvollständig. Ihr orientiert euch so sehr an äußeren Werten und materiellen Dingen, lauft irgendwelchen Dogmen und Richtlinien hinterher, passt euch der Masse an, bis ihr wirklich vergessen habt, wer ihr überhaupt seid, was euch ausmacht, was IHR wollt. Dieses Spiel treibt ihr so lange, bis selbst eure Seelen keine Lust mehr haben und einen Großteil von sich abspalten, euch ihre Energie entziehen und nur noch einen kleinen Anteil zurücklassen, der euren Körper am Leben hält. Aber dieses Leben ohne eure Seele ist kein Leben. Es ist eine bloße Existenz, die euch nicht nährt, die euch nicht erfüllt, die euch leer fühlen lässt. Und ihr seid ja auch tatsächlich leer. Innerlich leer. Denn eure Seele füllt euch nicht mehr aus. Damit habt ihr den Zugang zu eurer inneren Weisheit verloren, zu eurer Intuition, zu eurem Herzensweg, zu euch selbst. Die Leichtigkeit ist weg, die Freude, die Fülle. Ihr seid nur mehr Hüllen, die umherwandeln und die Leere zu stopfen versuchen. Mit Liebe und Aufmerksamkeit, die ihr von anderen einfordert, mit Gegenständen und Nervenkitzel, der euch kurzfristig wieder das Gefühl gibt, lebendig zu sein. Und ihr merkt, dass euch was fehlt, dass ihr haltlos umherirrt, aber ihr wisst nicht, was ihr dagegen tun könnt, weil ihr an der falschen Stelle sucht. Die Lösung wird sich nicht im Außen zeigen, sie wird euch nicht von anderen geliefert werden. Die Lösung werdet ihr nur in eurem Inneren finden, wenn ihr endlich mal still werdet, die Klappe haltet und die Füße stillhaltet. Aber davor habt ihr Angst. Denn in der Stille könnten eure Schatten hochkommen, eure dunkelsten Ängste, eure unliebsamsten Gefühle.“
Ben saß da, den Kopf schuldbewusst gesenkt und hörte zu. Er fühlte sich ertappt. Jedes einzelne Wort traf ins Schwarze. Sich das einzugestehen, tat echt weh.
„Ich wollte gar nicht so hart mit dir ins Gericht gehen, aber manchmal könnte ich schon verzweifeln, ob so viel Sturheit und Blindheit der Menschen.“
Ben sah auf. „Was kann ich tun, dass du bei mir bleibst?“ Er klang kleinlaut und sehnsüchtig. Ja, er sehnte sich wirklich danach, sich endlich wieder vollständig zu fühlen, nicht mehr suchen zu müssen, ohne zu wissen, nach was er suchte. Er wollte wieder ganz er selbst sein. Er wollte wieder Freude und Leichtigkeit in seinem Leben haben, Halt und eine gefühlte Sicherheit, Wärme und Liebe, innere Ruhe und vor allem Frieden in sich. Er wollte ankommen, bei sich ankommen. Seine Wurzeln in diesem Leben schlagen und sich Flügel wachsen lassen. Er wollte einen Platz in diesem Leben, SEINEN Platz!
Seine Seele griff nach seiner Hand. „Machen wir uns an die Arbeit.“

Mit diesem Satz riss es Ben fort. Er fühlte sich in einen Strudel gezogen, wurde weggesogen, herumgewirbelt. Wilde Farben und Formen tanzten um ihn, er hörte die seltsamsten Geräusche und Klänge, tausend Stimmen und ein Brausen. Fetzen aus Erinnerungen schossen an ihm vorbei, flackerten auf, verschwanden wieder. Wirre Bilder, Fratzen, Gestalten. Und dann war es still und ruhig. Er schlug die Augen auf und fand sich mitten in einem weißen, leeren Raum. Er lag am Boden. Helles, warmes Licht kam aus einer unsichtbaren Quelle. Ben richtete sich auf. Ihm gegenüber in der Wand war eine Tür, ebenfalls weiß. „Hallo?“ Nichts. Ben sah sich um. „Seele, bist du da irgendwo?“ Ben rief lauter. Wieder nichts. Nur Stille, das Licht und der Raum. Plötzlich öffnete sich zaghaft die Tür einen spaltbreit. Ben rutschte ein Stück zurück und wurde wachsam. Die Tür ging noch etwas weiter auf und eine kleine, verwahrloste Gestalt kam zum Vorschein. Verängstigt und zurückhaltend trat sie ein. Bei genauerem Hinsehen sah Ben, dass es sich um einen Stoffhasen handelte, der zum Leben erwacht zu sein schien. Das ehemals weiße Fell war zottelig und schmutzig. Die Nähte waren teilweise aufgegangen und die Füllung aus Watte quoll an diesen Stellen heraus. Das eine Ohr war abgeknickt und hing schlaff nach unten. Generell wirkte das Kerlchen ziemlich verkommen und ausgemergelt. Verschüchtert stand der Hase, der im Stehen nicht größer war als Ben im Sitzen, da, starrte zu Boden und hätte sich wohl am liebsten in Luft aufgelöst. Ben bekam Mitleid. „Wer bist du?“, fragte er den zerknautschten Hasen. Der Hase knetete verlegen seine Pfotenhände und nuschelte: „Ich bin deine Angst.“ Ben musste lachen. „Entschuldigung, habe ich dich eben richtig verstanden? Du bist meine Angst?“
„Ja.“, kam es leise vom Hasen. Ben zog die Beine in den Schneidersitz und lehnte den Oberkörper etwas nach vorne. „Komm her!“, bat er freundlich und streckte ihm die Hand entgegen. Der Hase bewegte sich keinen Millimeter. „Traust du dich nicht?“, fragte Ben und ließ die Hand wieder sinken. Der Hase schüttelte den gesenkten Kopf: „Du wolltest mich so lange nicht bei dir haben.“ Ben durchzuckte ein Schmerz. Das hatte gesessen. Tränen stiegen ihm in die Augen und plötzlich wurde er von Reue gepackt und er verstand. Dieses Wesen sah so verwahrlost aus, weil er es nicht dahaben wollte, weil er es vernachlässigt hatte, weil er sich nicht gekümmert hatte, es immer wieder fortgeschickt hatte. So viele Situationen fielen ihm plötzlich ein, in denen er Angst gehabt hatte und sie einfach weggedrängt hatte, sich abgelenkt hatte, sie nicht dahaben wollte, nicht fühlen wollte. Auf einmal tat ihm das unheimlich leid und er hätte sich ohrfeigen können. Auf allen Vieren kroch er das kurze Stück zum Hasen und setzte sich vor ihn hin. „Es tut mir leid! So unendlich leid!“ Der Hase blickte hoch, Hoffnung im Blick, doch auch Zweifel waren noch darin zu erkennen. „Meinst du das ernst?“, fragte er zögerlich. Ben nickte. „Darf ich jetzt da sein?“, hakte die Angst nach. Ben nickte wieder, diesmal mit vor Schuldgefühlen verzerrtem Gesicht. Er streckte noch einmal die Hand aus und diesmal griff der Hase danach und legte seine plüschige Pfote in Bens Hand. Das tat gut, beiden. Ben zog den Hasen auf seinen Schoß und in seine Arme, drückte ihn fest an sich. Was war er für ein Hornochse gewesen. Dieses Wesen wollte doch auch nichts weiter als geliebt werden und da sein dürfen, angenommen und akzeptiert werden und was hatte er gemacht? Er hatte es immer wieder fortgestoßen, weggeschickt und mit Verachtung gestraft. Ben ließ nun seinen Tränen freien Lauf und auch der Hase weinte. Vor Erleichterung und Freude darüber, dass er jetzt endlich angenommen wurde. So saßen die beiden eine ganze Weile und hielten sich einfach nur fest, weinten immer wieder ein bisschen und genossen die Nähe des anderen. Nach einiger Zeit rückte der Hase ein wenig von Ben ab. Ben staunte. Das vorhin noch so zerzottelte Fell war wieder sauber und geschmeidig, glänzte in dem warmen Licht des Raumes. Das abgeknickte Ohr hatte sich wieder aufgerichtet, die Nähte waren wieder ganz. Der Hase sah wieder wohlgenährt aus und die Augen strahlten. „Das hat deine Liebe bewirkt.“, erklärte der Hase und noch während er den Satz sprach, löste er sich in tausend Lichtfunken auf und verschwand. Ben blieb überrascht, aber auch zufrieden zurück. Während er noch so da saß und in Gedanken dem eben Erlebten nachhing, ging die Tür wieder auf. Wieder stand da eine verwahrloste, zerlumpte Gestalt und Ben begann zu verstehen. Eins ums andere Mal öffnete sich wieder die Tür und all seine verdrängten und abgelehnten Gefühle kamen nacheinander in den unterschiedlichsten Gestalten in den Raum und damit zu Ben. Alle wollten das Gleiche – sie wollten einfach nur da sein dürfen und angenommen werden. Ben nahm ein jedes liebevoll in den Arm und fühlte die einzelnen Gefühle aufmerksam und bejahend. Da war die Wertlosigkeit und die Kleinheit, die Schuld und die Scham, die Ohnmacht und die Wut, die Unzulänglichkeit und noch viele mehr. Sie alle hatte er im Laufe seines Lebens immer wieder verdrängt, nun aber war er bereit, sie anzunehmen und aufrichtig zu lieben. Sie waren ein Teil von ihm und gehörten genauso zum Leben wie all die angenehmen Gefühle. Das hatte Ben nun begriffen. Es war völlig in Ordnung, sich klein zu fühlen, schwach zu sein oder traurig, auch wenn in der heutigen Gesellschaft kaum einer dazu stand, ja es sogar als unerwünscht galt und unnormal sich so zu fühlen. Wie viele rannten dem immerwährenden Glück nach, den 365 Tagen Sonnenschein. Aber so war das Leben nicht. Das Leben hatte so viele Facetten und eine jede hatte ihre Berechtigung und machte es bunt und reich, machte die Welt größer.
Als sich das letzte Wesen in hellen Funken aufgelöst hatte, blieb die Tür zu. Ben saß da und war einfach nur überwältigt. Überwältigt von all den „negativen“ Gefühlen, die so schlimm gar nicht waren. Es waren lediglich die Geschichten, die er sich über diese Gefühle erzählt hatte, die sie schlimm machten. Er war kein Versager, nur weil er auch mal Angst hatte. Er war kein schlechter Mensch, nur weil er auch mal schwach war. Mit ihm war alles in Ordnung, auch wenn er sich manchmal ohnmächtig fühlte. All das durfte sein und mit der Erlaubnis, die er sich nur selbst geben konnte, all das fühlen zu dürfen und SEIN lassen zu können, fiel eine riesen Last von ihm ab. Es war, als ob er einen inneren Kampf endlich beendete und die Waffen sinken ließ. Es tat so gut, sich gegen all das nicht mehr wehren zu müssen. Es war so viel einfacher, es einfach SEIN zu lassen. Dieses SEIN lassen war ein einziges LosLASSEN. Er merkte, wie er sich immer mehr löste, entspannte, lockerer wurde. Die Schultern, die er so oft angespannt Richtung Ohren zog, sanken nach unten. Alles schien weicher zu werden. 

Da saß er nun und blickte auf die letzten Jahre zurück. Auf das hektische Rennen im Hamsterrad, höher, schneller, weiter. Er hatte Ziele verfolgt, von denen er sich nun gar nicht mehr sicher war, ob es überhaupt seine Ziele waren. Er wollte ES schaffen, wollte aufsteigen, Ansehen gewinnen, Einfluss, wollte sich hocharbeiten und ganz nach vorne kommen. Doch wozu, fragte er sich jetzt. Wozu das Ganze? Kein einzelner Teilschritt hatte ihn glücklicher gemacht. Kaum war ein Etappenziel erreicht, hatte er schon das nächsthöhere Ziel im Visier und der Stress wurde noch größer. Anstatt wie erhofft zufriedener zu werden, wurde er immer unzufriedener, wollte noch mehr in noch kürzer Zeit. Die Arbeitstage wurden länger und länger, die Laune schlechter und schlechter, die Energie immer weniger. Er war gefangen in seiner eigenen Welt und nahm nichts mehr um sich herum wahr. Und warum das alles? Weil er geglaubt hatte, nicht genug zu sein, nicht wertvoll zu sein, so wie er war, sondern dass er erst noch etwas werden musste, dass er etwas aus sich machen musste. Und bei all dem Wahnsinn hatte er sich erst selbst verloren und dann seine Frau. 

So klar wie jetzt, hatte er noch nie gesehen. Er hatte sich verrannt und zwar gründlich. Die ganze Geschäftigkeit und das Streben nach Erfolg waren nur der schwache Versuch, sich von seiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeit abzulenken, sie wett zu machen. Lara hatte so oft versucht, ihm das alles klar zu machen, aber er hatte es nicht hören wollen, hatte es immer besser gewusst. Kein Wunder, dass sie irgendwann die Nase voll hatte und ging. Erschöpft von all diesen Erkenntnissen ließ er sich nach hinten umfallen und schloss die Augen. 

Ben erwachte vom Zuschlagen einer schweren Holztür. Er öffnete die Augen und sah über sich eine stuckverzierte Kirchendecke. Er lag auf der Kirchenbank, auf der er vorhin noch mit seiner Seele gesessen hatte. Ruckartig setzte er sich auf und sah sich um, doch der Alte war nirgends zu sehen. Er war verschwunden. Wie lange mochte er hier gelegen haben? Ben sah auf seine Armbanduhr. Seit er die Kirche betreten hatte war gerade mal eine Stunde vergangen. Es kam ihm vor wie eine Ewigkeit. So viel war seither in ihm passiert. So viel war ihm seither klargeworden. Er war nicht mehr der Mensch, der er noch vor einer Stunde war. Er fröstelte, aber er konnte noch nicht gehen. Mit einer entschlossenen Bewegung glitt er von der Bank und kniete sich auf das dafür vorgesehene Brett im Fußraum, faltete die Hände und legte seine Stirn darauf. Dann sprach er leise ein Gebet, das ihm wie von selbst in den Sinn kam. Worte, die er vorher noch nie gehört hatte, Worte, die aus seinem Inneresten kamen, die das ausdrückten, was ihn gerade bewegte und am Herzen lag: 


„Meine liebe Seele, ich möchte, dass du dich in mir und um mich wohl fühlst. Ich möchte, dass du gerne bei mir bist. Hilf mir dabei, meinen Geist und meinen Körper mit dir zu vereinen und in Einklang zu bringen. Du kennst den Weg, den ich hier gehen will. Du weißt, warum ich hier auf diese Erde gekommen bin, welche Erfahrungen ich machen möchte, was wirklich wichtig und richtig für mich ist. Du bist der Anführer. Zeig mir den Weg. Ich folge dir. Hilf mir, dich in dem Lärm des Alltags zu hören und gib mir den Mut, meinen ganz eigenen Weg zu gehen. Du hast mein höchstes Wohl im Sinn. Ich weiß das und ich vertraue dir. Niemals will ich wieder den Kontakt zu dir und damit zu mir verlieren. Ich will dir und mir treu bleiben. Ich will ich sein, mit allem, was mich ausmacht, echt sein, mich selbst leben und als das annehmen, was ich bin. Ich bin ein heiliges, wertvolles Wesen, einfach nur, weil ich BIN. Ein jeder ist das. Ich achte und ehre mich in jeder Sekunde und tue mir das Beste. Ich tue mir nur das, was ich einem jeden in größter Liebe tun würde. Ich sorge daher gut für mich. Durch mich fließt Liebe und Licht in die Welt. Ich bin mir meiner Kraft und Heiligkeit voll und ganz bewusst. Gott wirkt durch mich, das Leben wirkt durch mich und erfährt sich durch mich. Ich verneige mich in Ehrfurcht und Demut vor mir und meiner wunderbaren Seele, vor meiner Einzigartigkeit, vor meiner Göttlichkeit, vor jedem Aspekt des Lebens, vor jedem Gefühl und jedem Seinszustand. Ich achte und ehre mich und ein jedes Wesen und alles, was existiert! Amen!“

Als er verstummte, merkte er, dass er weinte. Das alles war so wahr und so bewegend und so wohltuend. Er hatte seit Jahren mal wieder das Gefühl, sich selbst zu spüren und zu sehen, sich wahrzunehmen. Eine tiefe Wärme breitete sich in seinem Körper aus. Er hob seinen Kopf und atmete mit geschlossenen Augen ganz tief ein. Wie lebendig er sich fühlte, wie kraftvoll und vollständig. Keine von all den vermeintlichen Sorgen im Job war noch wichtig. Kein erreichtes Unternehmensziel konnte ihm je dieses Gefühl geben, das er jetzt gerade hatte. Tiefe Liebe durchströmte ihn und eine unendliche Dankbarkeit dafür, dass er vorhin dem irrsinnigen Impuls gefolgt war, mitten in der Nacht loszulaufen. Voller Übermut stand er auf, trat in den Mittelgang, breitete seine Arme aus und drehte sich überschwänglich im Kreis, lachte und weinte gleichzeitig. Was für ein Geschenk! Das beste Geschenk, dass er je an Weihnachten bekommen hatte und er hatte es sich selbst gemacht.

„Geh zu ihr! Sie wartet auf dich - auf den echten Ben!“ Ben hielt inne und blieb stehen. Diese Stimme kannte er jetzt. Sie kam aus seinem Herzen und ab sofort hatte sie das Sagen. Und damit lief Ben los, raus in die kalte Nacht des  24. Dezembers, raus in sein neues Leben, zu Lara, zurück zu sich selbst und seinem wahren Wesen.


Foto und Text: Anja Reiche